Kunstwert - alles was genossen wird, wird nicht um seiner selbst genossen

Als uns das Projekt Sablage zugetragen wurde, war klar, wovon es im Wesentlichen handeln würde, die Produktion von Wert. Beginnen wir folglich an zentraler Stelle, bei Marx' Wertbegriff – und dem notwendigen Streit darum.

"Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Tätigkeit und daher vom nützlichen Charakter der Arbeit, so bleibt das an ihr, dass sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist. Schneiderei und Weberei, obgleich qualitativ verschiedene produktive Tätigkeiten, sind beide produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw., und in diesem Sinn beide menschliche Arbeit."

Ist das bereits so etwas wie der anthropologische Ursprungsplan zur menschlichen Schöpferkraft und der Produktion von Wert? Aber weiter:

"Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte." (MEW 23, S. 58 ff.)

Am Ende des Arbeitsprozesses kommt demnach ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war.

Hier zeigt sich eine eigentümliche Verklärung der Schöpferkraft, wie sie noch in der medialen Reaktion auf Banksy's Sothebys-Aktion wirkt - und den Blick darauf verstellt, was zu tun ist.

Und doch ist der Widerspruch von Verklärung und Kritik nicht notwendigerweise das letzte Wort. Marx zwingt diesen widersprüchlichen Positionen die Wahrheit über die kapitalistischen Arbeitsprozesse ab, dass produktiver Arbeiter zu sein "kein Glück sondern ein Pech ist".

Denken wir dies weiter, und behalten wir dabei im Kopf die Produktion von Kunst und die Entstehung von Wert darin. Lars Quadfasel schreibt:

„Die eigene Arbeitskraft verkaufen zu müssen heißt hier nichts anderes, als gewaltsam auf die idealistische Vorstellung vom Naturwesen reduziert zu werden. Ebenso geist- und schutzlos dem Inferno der modernen Fabriken und Büros ausgeliefert, worin das Nervensystem aufs äußerste angegriffen, das vielseitige Spiel der Muskeln unterdrückt und alle freie körperliche und geistige Tätigkeit konfisziert wird. Darin kommt der Begriff der Ausbeutung erst ganz zu sich. Alles was genossen wird, wird per definitionem nicht um seiner selbst genossen, sondern weil es mit der individuellen Reproduktion zugleich der des Kapitals dient.“

Was potentiell Ausdruck menschlicher Freiheit, somit auch Ausdruck der Kunst sein könnte, "luxe, calme et volonté, wird zugelassen, sofern es im Reich der Notwendigkeit verbleibt".
Betrogen werden wir somit nicht um den Ertrag, des vollen Arbeitstages, sondern um ein Leben, das mehr wäre als ein Überleben. Eine "gespenstische Gegenständlichkeit, die der Wert an den Arbeitsprodukten übrig lässt, bloße Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit", sagt Marx.
"Gallerte wird hergestellt durch das zermahlen von Knochen", bemerkt treffend hierzu William Clark Roberts.

Was tun?

Kann man diesen Prozess nicht gegen seine Profiteure richten, ganz wie Wolfgang Neuss einst vorschlug, für die Verfechter der Todestrafe die Todestrafe einzuführen?

Sablage nimmt sich dieser Fragestellungen in verschiedenen Versuchen der Wiederaneignung an. Klugerweise mit einem Duktus, ähnlich dem, den der Regisseur Walter Hill für das Verfertigen von Western beschreibt: "Einen Western zu schauen mag den Zuschauern nicht immer Spaß machen, einen Western zu drehen aber ist immer ein Spaß für den Filmemacher."